Das Ereignis war für ihn fast so berauschend wie ein Lottogewinn: Eines morgens stand eine Frau im Hamburger Porzellanhaus Lenffer. Sie wolle sich sein Sortiment anschauen, sagte sie zu Laurenz Lenffer, der das Geschäft mit seinem Vater Lothar betreibt. Die Frau, die für einen arabischen Scheich arbeitet, inspizierte alles. Ob sich Lenffer zutraue ein Flugzeug einzurichten? "Da habe ich natürlich sofort ja gesagt", erinnert sich der Unternehmer. Auch dem Wunsch nach einer Musterkollektion sei er nachgekommen und hat gemeinsam mit dem Porzellanhersteller Dibbern Waren für 25 000 Euro zur Begutachtung in den Mittleren Osten verschickt.
Nach einiger Zeit dann der erlösende Anruf. Lenffer habe zehn Minuten Zeit, um dem Scheich sein Konzept zu präsentieren, teilte ihm die Frau mit. Und das tat er offenbar mit Erfolg: Neben dem neuen Privatjet rüstete Lenffer 2005 und 2006 auch noch ein weiteres Flugzeug aus. "So hatte ich zwei Aufträge mit einem Gesamtvolumen von einer Million Euro", sagt Lenffer dem Abendblatt. Der Erfolg in Arabien hat ihn angespornt. Bei der Kabinenmesse Aircraft Interiors in Hamburg trat er mit eigenem Messestand auf. "Wenn das Geschäft läuft, kann man dies auch auf Yachten übertragen", so Lenffer.
Als ob der 39 Jahre alte Unternehmer nicht auch ohne die Luxusjets genug um die Ohren hätte. Neben seinen beiden Einzelhandelsfilialen am Großen Burstah und im Alsterhaus stellt er für Firmen wie Astra Zeneca oder dem Flughafen Geschenke für Mitarbeiter oder Kunden zusammen oder rüstet Hotels mit Tischkultur aus. Und jetzt plant er eine in der mehr als 40jährigen Geschichte des Hamburger Familienunternehmens einmalige Wachstumsstrategie. "In den nächsten zehn bis 15 Jahren wollen wir bis zu 20 neue Geschäfte eröffnen", sagt Lenffer. So wolle er sein Unternehmen zukunftsfähig machen oder - falls er keines seiner noch jungen Kinder für die Nachfolge begeistern kann - groß genug für einen Käufer.
Der erste neue Laden steht schon fest. Im September wird Laurenz Lenffer ein weiteres Porzellangeschäft im Alstertal-Einkaufszentrum (AEZ) eröffnen. Mit 400 Quadratmeter soll es überschaubarer sein als das Haupthaus in der Hamburger City mit mehr als 1000 Quadratmetern, aber auch größer als eine Boutique. 2008 soll eine weitere Fläche in der Shopping Rotunde des Hamburger Flughafens entstehen und eine in der Ernst-August-Galerie in Hannover, die wie das AEZ von der Hamburger ECE-Gruppe betrieben wird.
Unterstützt wird Lenffer, der im AEZ zehn Arbeitsplätze schaffen will, von der Stadt Hamburg. Der Unternehmer konnte erreichen, daß sich die Beteiligungsgesellschaft (BG) der Stadt an der Expansion beteiligt. Allein für die AEZ-Filiale schießt die BG 200 000 zur Investitionssumme von 700 000 Euro zu und erhält im Gegenzug 35 Prozent der Anteile an dem neuen Geschäft. Als weiterer Geldgeber ist die Haspa mit im Boot. Vor der Entscheidung einer Beteiligung ließ die BG Lenffer von der Hamburger Unternehmensberatung Sicnum genau prüfen. "Uns hat das Konzept und die Unternehmerpersönlichkeit überzeugt", sagt Joachim Bohnsack von der BG dem Abendblatt. "Wir haben jahrelange Geschäftsbeziehungen zu Lenffer. Unser Ziel ist immer, Mittelständler wie Lenffer mit unserem umfangreichen Netzwerk positiv bei ihren Vorhaben zu begleiten", sagt Carsten Hopf, Prokurist bei der Haspa.
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